Dem geneigten Leser stellt sich bestimmt die Frage, warum ich nun ausgerechnet eine Strecke in Hinterpommern ausgewählt habe. Dazu muß man weit in meinem Modellbahnerleben zurück gehen, nämlich bis zum Anfang der 60er Jahre. Damals erhielt ich als 9 jähriger von meinem Vater monatlich die Miba und den Modelleisenbahner mit den wunderschönen Anlagenvorschlägen von PitPeg und Günter Fromm. Eines Tages bekam ich den Anlagenbericht Runenthal- Elsenfeld von Günter Barthel in die Finger und damit wurde, über Zwischenschritte der Grundstein für meine heutige Anlage gelegt. Was war nun das Besondere, daß gänzliche Andere von dem bis dato Gezeigtem?  Es war das erste Mal, daß eine Modellbahnanalge sich an Zeit und Ort orientierte. Die KPEV der fiktiven Strecke Stralsund- Rostock, ein Ausschnitt der MPSB und für den Spielbetrieb ein Abschnitt der Franzburger Südbahn, dargestellt um 1911. Was für ein tolles Konzept! 

 

Jahrzehnte später!

Nach den Auszug aus unserem alten Eigenheim und dem Abriß der RSN ( siehe alte Modellbahnanlagen ) sollte die Neue folgende Gesichtspunkte vereinen: Paradestrecke mit Bahnhof, eine Zuckerfabrik am Ende der Kleinbahn um dem Betrieb überhaupt einen Sinn zu geben, sowie eine Schmalspurbahn. Was eine Kleinbahn ist finden Sie übrigens unter Veröffentlichungen. Als Zeitspanne wurde, wie immer bei mir die Epoche II und als Gebiet Natangen ausgesucht.  Na, wo liegt Natangen? Richtig, Natangen liegt zwischen Ermland, Samland und Barten, also ganz  zentral in Ostpreußen. Als Hauptstrecke sollte die Relation Königsberg- Prostken und als Kleinbahn die Verbindung Kreuzburg- Tharau dienen. Aus Tharau kommt übrigens das berühmte Ännchen. Bei den Schmalspurbahnen sah es trotz großer Netze schon etwas dürftiger aus. Ob nun Königsberger Kleinbahn, Niederungsbahn oder die Rastenburg- Sensburger Kleinbahn, sie hatten alle nur eine Spurweite von 750mm, wie meine alte RSN. Diesmal sollte es eine meterspurige Bahn werden. Da böte sich natürlich die Pillkaller Kleinbahn an. Diese hatten aber zu große Loks. Eine davon ist die " Spreewald" mit der Achsfolge 1`C in Bruchhausen. Die Kleinbahn Pogegen- Schmalleningken, wie auch die Memelner Kleinbahn lagen seit 1920 in Litauen und fielen damit aus der weiteren Planung.

Bei der Suche nach einer geeigneten Schmalspurbahn gelangte ich dann nach Hinterpommern. Die Saatziger-, Regenwalder-, Kolberger- und Greifenberger Kleinbahn waren ein großes zusammenhängendes 1000mm Kleinbahnnetz. Außerdem gab es in näheren Umgebung die regelspurigen Naugarder- und Greifenhagener Kreisbahnen, sowie die Pyritzer Kleinbahn. Und im Zentrum lag Stargard, nicht zu verwechseln mit preußisch Stargard. Das liegt in Westpreußen an der Ostbahn, zwischen Schneidemühl und Dirschau, also zu meiner dargestellten Zeit im polnischen Korridor.

Stargard i. P. liegt an einer Hauptbahn, der Hinterpommerschen Eisenbahn mit vielen abgehenden Strecken. Die Saatziger Kleinbahn endet in Stargard und die Naugarder Kreisbahnen liegen im Nachbarkreis. Also alles ideale Voraussetzungen um ins Modell gesetzt zu werden. Außerdem wurden die Kleinbahnen mit Lenz- Normalien ausgerüstet. Das sind zum Einen B- Kuppler und zum Anderen sehr skurrile Fahrzeuge.

Nachdem Ort und Zeit geklärt waren, ging es an die Feinplanung. Ursprünglich wollte ich den Bahnhof Runenberg- Elsenfeld oder Tribsees nachbauen. Wegen der zu erwartenden Längenausdehnung, die immer auf Kosten der Paradestrecke geht, wurde auf einen Personenbahnhof verzichtet. Außerdem würde bei den Kleinbahnen genügend rangiert werden, sodaß die Hauptbahn ausschließlich dem geistigen und seelischen Wohlbefinden dienen soll ( geistig: böhmischer Hopfenblütentee ).

Um aber einen realistischen Güterwagenaustausch zwischen der Reichsbahn und der Kleinbahn zu realisieren, bedurfte es eines Übergabegleises. Ein Geistesblitz brachte mich auf die Idee des halben Rangierbahnhofs, mit allem Pipapo. Die Lösung des Problems finden Sie unter " Gleisplan".